Er ist der jüngste Busfahrer Goslars

Schon bei kleinen Kindern ist sie ganz groß: die Faszination Bus. „Es fing ganz früh bei mir an“, beginnt Justin Hausmann, Goslars jüngster Busfahrer, während seiner Tour durch die Kaiserstadt zu er-zählen. Mit 16, fast 17 Jahren begann er seine Ausbildung zum Busfahrer. Seit Februar befördert er Fahrgäste in Goslar für die Stadtbus GmbH.

Schon bei kleinen Kindern ist sie ganz groß: die Faszination Bus.„Es fing ganz früh bei mir an“, beginnt Justin Hausmann, Goslars jüngster Busfahrer, während seiner Tour durch die Kaiserstadt zu erzählen. Mit 16, fast 17 Jahren begann er seine Ausbildung zum Busfahrer. Seit Februar befördert er Fahrgäste in Goslar für die Stadtbus GmbH.
Der Wunsch, Busfahrer zu werden, hatte sich bei dem Goslarer bereits in der Kindheit entwickelt. Oft ist er mit dem Bus mitgefahren, auch zum Einkaufen verzichtete die Familie aufs Auto und wählte lieber das öffentliche Verkehrsmittel. Und dann durfte er auch öfter längere Touren mitfahren – dank der Kontakte der Familie zur Stadtbus GmbH. „Das ist für einen kleinen Jungen schon aufregend, wenn man in einem Fahrzeug fährt, das man für sich alleine hat“, schwärmt er noch heute. „Klar hatte ich zwi-schendurch auch andere Berufswün-sche“, aber der Traumberuf Busfahrer sei ihm während der gesamten Schulzeit nicht aus dem Kopf ge-gangen. „Letztendlich, als ich eine Entscheidung treffen musste, da war für mich klar: Ich möchte nach wie vor Busfahrer werden.“

Schock für die Eltern

Dass er auf dem Ratsgymnasium nur zwei Jahre später sein Abitur in der Tasche gehabt hätte, nahm er dafür gerne in Kauf: „Ich wollte jetzt Busfahrer werden und hätte nicht gewusst, was ich nach dem Abi machen soll“, erklärt Hausmann, der sich nie hätte vorstellen können, stumpf im Büro vor dem Monitor zu sitzen. Der Rückhalt aus der Familie zeigte, dass es die richtige Entscheidung war.
Justin Hausmann bewarb sich 2019 kurzerhand um die Ausbildung in Osnabrück, und es klappte. „Ich habe dafür nach der zehnten Klasse aufgehört und meinen Traum verwirklicht“, erzählt der junge Busfahrer und lenkt den Bus an die nächste Haltestelle. „Der Schock für meine Eltern war weniger, dass ich mein Abi nicht mache, sondern eher, dass ich 250 Kilometer weit wegziehe für die Ausbildung“, blickt Hausmann zurück.
„In Osnabrück ist es übrigens nichts Besonderes, da gibt es viele so junger Busfahrer wie mich“, lacht er. Zum Anfang seiner Ausbildung hatte er – mit knapp 17 Jahren – natürlich noch keinen Pkw-Führerschein. Wie ist da eine Busfahrer-Ausbildung überhaupt möglich?

„Zuerst durchläuft man ja erst einmal andere Stationen in der Ausbildung. 2020 habe ich dann meinen Führerschein gemacht und ein gutes Dreivierteljahr später schon mit dem Bus-Führerschein angefangen“, so Hausmann. Dafür musste er zuvor noch zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU). Eine einzige Woche wurde er 2020 beim Fahren begleitet, dann wurde er 18 und konnte direkt alleine fahren. „Ein halbes Jahr später ging es dann mit dem Bus weiter.“ Fünf Monate habe er gebraucht, um den Busführerschein zu bestehen – „weil ich mich richtig reingehängt habe“. Andere Prüflinge hätten mitunter mehr Zeit dafür gebraucht.
Nachdem er seine Lehre – die er von drei auf zweieinhalb Jahre ver-kürzen konnte – beendet hatte, war für ihn klar: „Ich will wieder zurück.“ Er bewarb sich in Goslar und bekam die Stelle. „Als ich dann hier angefangen habe, hatte ich mir auch Gedanken darüber gemacht, wie mich die Kollegen in Anbetracht meines Alters wohl aufnehmen würden“, verrät er. Die Bedenken, dass er nicht als gleichwertiger Kollege angesehen werden könnte, warf er aber schnell über Bord. „Viele kannten mich ja schon von früher, als ich noch jeden Tag Fahrgast war. Die Kollegen haben mich gut aufgenommen.“ Er habe sich aber auch bewiesen. „Jetzt ist es so, dass mich Kollegen auch mal um Rat fragen“, sagt er. Bei den Fahrgästen in Goslar ist die Verwunderung manchmal hingegen noch groß. „Am Anfang wurde ich öfter gefragt, wie alt ich bin“, schmunzelt der 20-Jährige. So ein junger Busfahrer – das sei hier schon etwas Besonderes.
Generell sei die Arbeit in Goslar ganz anders als in Osnabrück: „Das Unternehmen dort ist größer, nicht so familiär wie hier. Hier kennt man wirklich alle, die Gespräche sind anders und der Umgang miteinander“, so Hausmann. Nicht nur seine Kollegen kennt er, auch viele Gos-larer. Dass er bei seinen Fahrten immer wieder die Hand zum Gruß hebt, zeigt, dass er nicht nur die Umgebung wie seine Westentasche kennt. Und: „Man kennt die Fahrgäste, das ist hier ein ganz anderes Arbeiten“, schwärmt Hausmann, der pro Tag bis zu 200 Kilometer fährt.

Nicht mehr zeitgemäß

Als Passagiere aussteigen, ruft Hausmann ein freundliches „Tschüss“ nach hinten. Manch einer reagiert, antwortet oder lächelt, viele entgegnen nichts. Die Verabschiedung gehöre für ihn einfach dazu, so wie auch die Begrüßung, sagt er. Ein älterer Fahrgast sei sogar einmal zu ihm nach vorne gekommen, um sich für die Freundlichkeit zu bedanken. Meistens seien es leider die Jugendlichen, die keine Antwort geben. „Ich
denke, sie sehen alles eher selbstverständlich an und sind deswegen nicht so offen zum Busfahrer“, meint er.

Meistens seien es eher unschöne Erfahrungen, die er mit Jugendlichen und Schülern sammele. Von lauter Musik über Streit bis hin zu Beleidigungen. „Wenn das Verhalten andere Fahrgäste stören könnte, dann mache ich auch eine Ansage“, so Hausmann. Zur Ausbildung zum Busfahrer gehören nicht nur Führer-schein und Personenbeförderungsschein. „Auch wie man sich mit Personen in solchen Situationen auseinandersetzt, gehört zur Ausbildung“, berichtet Hausmann.
Zudem hat er in Osnabrück gelernt, wie man die Busse über Funk koordiniert, Dienstpläne erstellt, hat in der Werkstatt am Bus gearbeitet, um vielleicht ein defektes Teil zu reparieren und zumindest zu erkennen. Und auch in die Gebiete Marketing und soziale Medien bekam er Einblick. Dennoch überwiegen für den jungen Busfahrer bisher die schönen Erlebnisse: Stammkunden setzen sich oft nach vorne und plaudern einen Schwenk mit ihm. Die Regel „Sprich nicht mit dem Busfahrer“ gebe es zwar noch – aber „ich glaube, dass die einfach nicht mehr zeitgemäß ist“, findet er. Denn vieles, was früher der Busfahrer machen musste – etwa Ansagen zu den Haltestellen übers Mikrofon – erfolgen heute automatisch. „Für mich ist es jeden Tag etwas Besonderes, in Goslar fahren zu dürfen.“ Zu Ostern etwa sei er auch im Dienst gewesen:„Und auf einmal stellte jemand einen Osterhasen auf den Tresen“, erzählt er.

Rauer Ton auf der Straße

Wie sich die Umgebung in den Jahreszeiten verändert – blühende Blumen, Blattfärbung, Schnee – aber auch Baustellen, die letztendlich zum guten Ergebnis führen – all das schätzt er unterwegs. „Wenn man im Büro arbeitet, sieht man das nicht.“ Deshalb sei auch jeder Tag anders, und darauf freut er sich immer aufs Neue. Da stört es auch nicht, dass bei rund 39 Stunden sitzender Tätigkeit die Bewegung in diesem Beruf hin und wieder etwas zu kurz kommt. „Ich schaffe mir einen Ausgleich, gehe zusammen mit einem Kollegen ins Fitnessstudio, ich gehe schwimmen, bei geteilten Diensten auch zwischendurch. Und ich wandere gerne – ein Punkt, der im Harz besser umzusetzen ist als in Osnabrück“, lacht er und verkauft nebenbei eine Fahrkarte.
Hört sich wirklich an wie der Traumjob, aber wieso gibt es auch hier, wie in vielen anderen Branchen heutzutage, einen Fachkräftemangel? „Ich glaube, dafür gibt es mehrere Gründe. Einerseits ist es vielleicht die Angst, so ein großes Fahrzeug zu fahren. Wie ich gehört habe, ist der Umgang im Straßenverkehr seitens der Autofahrer mit der Zeit aggressiver geworden. Das schreckt vielleicht ab.“
Die Angst davor, sich mit den Fahrgästen auseinandersetzen zu müssen, könnte hingegen ein anderer Grund für mangelndes Interesse an dem Job sein. „Die ist auch nicht ganz unberechtigt. Man muss eben Erfahrungen sammeln und ein Gefühl dafür kriegen“, sagt er und erinnert sich dabei an seinen ersten Tag als Busfahrer: „Ich hatte zwar die Ausbildung und den Führerschein in der Tasche, aber ich wollte natürlich auch nichts falsch machen. Es waren so viele Eindrücke, so viele Aufgaben gleichzeitig, aber man gewöhnt sich dran.“

Quelle: Bild & Text Goslarsche Zeitung